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Digitalisierung in der Energiewirtschaft

Digitalisierung in der Energiewirtschaft

29.12.2020

Die Energiewirtschaft sieht sich bereits seit einigen Jahren mit Veränderungen konfrontiert, welche den Umbruch zur Energiewirtschaft 4.0 einleiten. Während die Energiewende schnelle Handlungen fordert, steigt auch die Konkurrenz in der Energiebranche durch eintretende digitale oder branchenfremde Konkurrenten enorm. Zudem sinken die Erträge im Strommarkt. Die Digitalisierung in der Energiewirtschaft führt sowohl zu Chancen, als auch Herausforderungen für die Energieversorger.

Wandel durch die Digitalisierung in der Energiewirtschaft

Energieversorger sehen sich diesen starken Umschwüngen der Branche ausgesetzt und sind zur Aktion gezwungen. Diese Änderungen fordern, bis dato funktionierenden Strukturen heraus und führen auch zur sogenannten Energiewirtschaft 4.0. Sowohl die Ursache, als auch die Lösung für diese Herausforderungen liegt zu einem gewissen Anteil in der Digitalisierung, welche in der Energiewirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen noch in den Kinderschuhen steckt.

Bedeutung der Digitalisierung für Energieversorger

Viele traditionelle Energieversorger haben den Handlungsdruck allerdings bereits erkannt, welcher sich für sie eröffnet. In der Stadtwerkestudie 2020 von EY geben 79% der Stadtwerke an, dass sie sich in den nächsten 2–3 Jahren sehr stark mit der Digitalisierung auseinandersetzen werden. Damit ist die Digitalisierung das wichtigste Thema für Stadtwerke in den nächsten Jahren. 

Themen der Zukunft für Stadtwerke (Quelle: EY Stadtwerkestudie 2020)

Dabei wollen sich die meisten zunächst darauf fokussieren das Kerngeschäft zu digitalisieren. Digitale Strukturen bieten hier die Chance bedeutend effizienter und kostengünstiger zu werden. Ein wichtiger Aspekt aufgrund der anwachsenden Konkurrenz. Zudem müssen Stadtwerke auch ihre Business-Analytics Fähigkeiten verbessern, um die erhöhten Datenmengen effektiv nutzen zu können. Auch die Kundenbindung können Energieversorger mit einem digitalen Auftritt und Dienstleistungen steigern. 

Chance für attraktive, neue Geschäftsfelder durch die Digitalisierung in der Energiewirtschaft

Es eröffnen sich mit der Digitalisierung auch neue Geschäftsfelder für Stadtwerke, welche von den Unternehmen angegangen werden können. Neue Technologien bieten dabei eine große Chance für Energieversorger. Die wichtigsten Bereiche sind Smart Metering und Plattform Modelle, wobei auch Big-Data-Anwendungen, Robotics, sowie Künstliche Intelligenz wichtige Technologien für Stadtwerke sind.

Häufig fehlt es in der Energiewirtschaft aber noch an einer ganzheitlichen Strategie, um die Digitalisierung im eigenen Unternehmen umzusetzen und so werden zunächst kleinere Teilgebiete digitalisiert. Eine Zielvorstellung ist hier teilweise fehlend.  

Neue Kerntechnologien in der Energiewirtschaft

Elektromobilität

Elektromobilität und der Aufbau einer Ladeinfrastruktur ist inzwischen als Geschäftsfeld bei vielen Energieversorgern angekommen. Etwa 60–80% der Unternehmen bieten bereits Leistungen in diesem Bereich an. Neben dem Aufstellen von Ladesäulen hat besondere Wichtigkeit auch die öffentlichkeitswirksame Vermarktung dieser, sowie die Modalität der Abrechnung. Aktuell sind Stadtwerke vergleichsweise stark vertreten bei der Bereitstellung von Ladesäulen. Als baldige Konkurrenten sind allerdings Automobilhersteller selbst und private Dienstleister zu erwarten.

Smart Meter

Seit Beginn 2020 ist endgültig klar, dass die Ausstattung von Haushalten mit Smart Metern eine wichtiger Aspekt für die Energiebranche werden wird. Smart Meter sind intelligente Messsysteme, welche die Messdaten des Kunden direkt an den Energieversorger weiterleiten und das persönliche Ablesen überflüssig machen. Mit Smart Meter hat so auch der Verbraucher die Möglichkeit seinen Stromverbrauch besser im Blick zu behalten.

Smart Meter bieten eine wichtige Datenquelle für Energieversorger. Durch diese Daten können die Anbieter ihre Angebote an Kund:innen optimieren und so ein besseres Kundenerlebnis schaffen. Weiterhin ist es auch möglich, dass sich daraus neue Produkte und Geschäftsmodelle für Energieversorger entwickeln können. 

Smart City

Unsere Städte werden fortschrittlicher, intelligenter und effizienter. Die moderne Stadt wird auch als Smart City bezeichnet. Unterschiedliche Bereiche wie Energie, Stadtplanung, Verwaltung, aber auch Energie vernetzen sich immer mehr und verbessern so unsere Lebensqualität. Dahinter verbirgt sich eine große Chance für Energieversorger Energielösungen und Dienstleistungen anzubieten, welche die Entwicklung zur Smart City vorantreiben und Stadtwerke so zum entscheidenden Akteur der intelligenten und vernetzten Stadt zu machen. 

Smart Home

Im Bereich Smart Home drängen viele Akteure auf den Markt. Neben großen Unternehmen wie der Google, Apple und der Deutschen Telekom treten auch zahlreiche Start-Ups in die Branche ein. Deshalb wird der Wettbewerb zunehmend stärker. Für klassische Energieversorger liegt die Chance hier in der Kooperation mit Start-Ups, branchenfremden Unternehmen, aber auch mit anderen Energieversorgern selbst, um Synergien zu nutzen.

Künstliche Intelligenz / Machine Learning

Mittels künstlicher Intelligenz können in der Energiewirtschaft zum Beispiel Prozesse optimiert werden, erneuerbare Energien unterstützt oder auch die Anforderungen der Kunden besser erfüllt werden. Der Mehrwert künstlicher Intelligenz liegt damit vor allem im Bereich Nachhaltigkeit und Kundenbindung. Daneben haben sich auch Start-Ups in diesem Bereich positioniert und die Kooperation mit diesen stellt eine Handlungsmöglichkeit für Energieversorger dar.

„Künstliche Intelligenz ist ein zentrales Element der Wirtschaft von morgen und ein wichtiger Baustein für den nachhaltigen Umbau unseres Energiesystems“ - Kerstin Andreae, BDEW

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Wichtige Schritte zur Energiewirtschaft 4.0

Die Fortschritte der Digitalisierung fordern einen Umbau der klassischen Struktur von Energieversorgungsunternehmen. Folgende wichtige Punkte für die Wandlung der Energieversorger zur sogenannten Energiewirtschaft 4.0 hat das Fraunhofer Institut gemeinsam mit dem Unternehmen Quantic identifiziert:

  • Stärkung der persönlichen Netzwerke für mehr Dynamik 
  • Ganzheitliche Strategie in Richtung Digitalisierung
  • Durchführung von Pilotprojekten zur Eingliederung der Digitalisierung
  • Transparenz für Kunden schaffen
  • Energieversorger als Partner des Kunden
  • Raum für Innovationen schaffen
  • Motivierte Mitarbeiter als Vorreiter für die Digitalisierung im Unternehmen befähigen

Ausbau der Zusammenarbeit von Wohnungs- und Energiewirtschaft

Die EY Stadtwerkestudie 2020 hat erkannt, dass es durch neue Technologien zunehmend Synergien zwischen der Wohnungs- und Energiewirtschaft gibt. Bereiche, die dabei besonders relevant sind, sind beispielsweise Smart Metering, die Klimaneutralität und die Wärmewende, aber auch die Verfügbarkeit von Ladesäulen im Zuge der Elektromobilität. Die Wohnungswirtschaft ist bereits ein besonders relevanter Kunde für die Energiebranche, nun wird aber auch die Kooperation der beiden Bereiche immer spannender und verspricht erfolgreiche Geschäftsmodelle.

Auch die Politik hat zu dieser strategischen Annäherung von Energie- und Wohnungswirtschaft geführt, indem die beiden Branchen dieselben neuen gesetzlichen Regelungen erfüllen müssen. Darunter zählen beispielsweise Mieterstrom Konzepte zum Vorantreiben der Energiewende. 

Deshalb ist die Wohnungswirtschaft die zweitwichtigste Branche für Energieversorger, direkt nach der Zusammenarbeit mit Telekommunikationsdienstleistungen. 

Herausforderungen des digitalen Wandels für Energieversorger

Gestiegener Wettbewerb in der Energiewirtschaft

Immer mehr Akteure treten in die Energiebranche ein. Auch bisher branchenfremde Unternehmen entscheiden die Umwälzung in der Energiewirtschaft für einen Eintritt in den Geschäftsbereich zu nutzen. Aufgrund des gestiegenen Wettbewerbsdrucks wird das Senken der Kosten und die Verbesserung der Kundenbindung umso wichtiger für bestehende Energiedienstleister. Grund für den Eintritt neuer Akteure ist sowohl die anstehende Energiewende, welche den Fokus auf Ökostrom legen lässt, sowie auch die Digitalisierung. 

Heute ist es viel einfacher die Strom- oder Wasserkosten unterschiedlicher Anbieter zu vergleichen und das günstigste Angebot auszuwählen. Deshalb haben Kunden nun viel mehr Auswahlmöglichkeiten als nur das Stadtwerk vor Ort. 

Datensicherheit

Aufgrund der gestiegenen Menge an Daten und digitalen Abläufen wird die Sicherheit der Daten zu einem kritischen Punkt. Um sowohl die Kundendaten, als auch die eigenen Informationen bestmöglich schützen zu können, möchten sich viele Energieversorger in Zukunft stärker dem Thema Datensicherheit widmen, um dieser Schwachstelle entgegenzuwirken. 

Datenauswertung

Die, durch digitale Abläufe gewonnenen Daten müssen auch ausgewertet werden, um Erkenntnisse für Energieversorger liefern zu können. Im Bereich Datenanalyse und ‑auswertung haben viele Stadtwerke noch Verbesserungspotential. So könnten in Zukunft dank der Daten beispielsweise Kundenprofile besser verstanden werden und so auch Prognosen bedeutend optimiert werden. Deshalb können Daten bei richtigem Einsatz auch zu einer großen Chance für Energieversorger werden.

Investitionen

Der Weg zur Digitalisierung ist mit hohen Kosten verbunden. Langfristig gesehen können digitalisierte Prozesse allerdings Kosteneinsparungen und eine höhere Effizienz realisieren. Der jeweilige Energieversorger muss hier mittels einer IT-Kosten-Nutzen-Analyse abwägen und sollte darauf achten die langfristige Verbesserung, welche oftmals mit digitalisierten Prozessen einher kommt, zu beachten.

Studien zur Energiewirtschaft 4.0